Auf Ronnie O’Sullivan werden Hoffnung und Niedergang des Snookers projiziert, er selbst beschreibt Snooker als „sterbenden Sport“. Die Wahrheit ist eine andere.
Snooker lebt. Vielleicht nicht finanziell oder im Zuschauerzuspruch (auch in Wales gab es einige leere Sitzplätze), aber der Sport selbst ist noch längst nicht am Ende. Das haben gerade die letzten 3Â Turniere gezeigt: Bereits bei der UK Championship im Dezember waren die Matches an Spannung und Klasse kaum zu überbieten, das Masters und die Welsh Open zeigten, dass auch im neuen Jahr mit Spitzenleistungen zu rechnen ist.
Die Gründe für die Leistungssteigerung liegen auf der Hand: Die Spieler haben sich Match-Praxis und -Härte angesammelt und zeigen durchweg gute Leistungen. Das Marathon-Match zwischen Selby und Hamilton diese Woche untermauerte, wie spannend ein Match auch ohne Breaks sein kann. Ali Carter zeigte dann im Finale die andere Seite des Snookersports und zeigte eine Serie von 7Â Frames in Folge in denen er dominierte, 2Â Centuries spielte und 4Â weitere Frames mit Breaks von über 50Â Punkten spielte.
Das hohe Niveau auf dem im gesamten Feld, bis weit in die Weltrangliste hinein gespielt wird ist unglaublich. O’Sullivan verlor nicht gegen Fu, weil er schlecht spielte, sondern weil der Hongkong-Chinese besser war. Das gilt auch für die aus den Untiefen der Weltrangliste in die Hauptrunde vorgestoßenen David Gilbert und Martin Gould. Beide haben aufgrund ihrer eigenen Stärke gegen ihre Gegner, Joe Perry bzw. Stephen Hendry gewonnen.
Heute kann jeder gegen jeden gewinnen, O’Sullivan mag ein Ausnahmetalent sein, so dominierend wie Davis oder Hendry zu ihrer Hochzeit wird er aber nie sein. Das liegt auch an der fehlenden Motivation, aber auch an der Dichte des Feldes.
Ein weiterer Anteil zur breiten Verbesserung der Spieler hat sicher die Championship League. Die Spieler haben viele Spiele gegen ähnlich gute Profis, Ali Carter hat sich dort im letzten Jahr seine WM-Form erspielt und hat jetzt die wohl beste Saison seiner bisherigen Profikarriere. Wir können uns nur wünschen, dass diese Veranstaltungen ausgebaut werden, auch im Sommer, wo eine relativ lange Sommerpause traditionell den Spielrhythmus unterbricht. Pro-Am-Turniere können das nur bedingt ausgleichen, geht es doch nur um Ruhm und Ehre und ein wenig Preisgeld, nicht aber um Weltranglistenpunkte.
Diesen kleinen Turnieren auch ein Budget von Weltranglistenpunkte zu geben (etwa 1000 für den Sieger) könnte ein Ansporn sein, gerade für die, die weiter hinten in der Rangliste platziert sind sich auch bei den Paul Hunter Classics Matchform zu holen. Es ist wichtig für das Snooker auch zu den Menschen zu kommen, es kann sich nicht nur alles auf der Insel und in China abspielen.
Was sich allerdings auf der Insel und in China abspielt ist wirklich gutes Snooker auf einem breiten, hohen Niveau. Die Aufgabe der WSA muss es jetzt sein mehr neue Zuschauer anzulocken.