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Snookerblog

O’Sullivan ist nur die Spitze des Eisbergs

17 Kommentare

Auf Ronnie O’Sullivan werden Hoffnung und Niedergang des Snookers projiziert, er selbst beschreibt Snooker als „sterbenden Sport“. Die Wahrheit ist eine andere.

Snooker lebt. Vielleicht nicht finanziell oder im Zuschauerzuspruch (auch in Wales gab es einige leere Sitzplätze), aber der Sport selbst ist noch längst nicht am Ende. Das haben gerade die letzten 3 Turniere gezeigt: Bereits bei der UK Championship im Dezember waren die Matches an Spannung und Klasse kaum zu überbieten, das Masters und die Welsh Open zeigten, dass auch im neuen Jahr mit Spitzenleistungen zu rechnen ist.

Die Gründe für die Leistungssteigerung liegen auf der Hand: Die Spieler haben sich Match-Praxis und -Härte angesammelt und zeigen durchweg gute Leistungen. Das Marathon-Match zwischen Selby und Hamilton diese Woche untermauerte, wie spannend ein Match auch ohne Breaks sein kann. Ali Carter zeigte dann im Finale die andere Seite des Snookersports und zeigte eine Serie von 7 Frames in Folge in denen er dominierte, 2 Centuries spielte und 4 weitere Frames mit Breaks von über 50 Punkten spielte.

Das hohe Niveau auf dem im gesamten Feld, bis weit in die Weltrangliste hinein gespielt wird ist unglaublich. O’Sullivan verlor nicht gegen Fu, weil er schlecht spielte, sondern weil der Hongkong-Chinese besser war. Das gilt auch für die aus den Untiefen der Weltrangliste in die Hauptrunde vorgestoßenen David Gilbert und Martin Gould. Beide haben aufgrund ihrer eigenen Stärke gegen ihre Gegner, Joe Perry bzw. Stephen Hendry gewonnen.

Heute kann jeder gegen jeden gewinnen, O’Sullivan mag ein Ausnahmetalent sein, so dominierend wie Davis oder Hendry zu ihrer Hochzeit wird er aber nie sein. Das liegt auch an der fehlenden Motivation, aber auch an der Dichte des Feldes.

Ein weiterer Anteil zur breiten Verbesserung der Spieler hat sicher die Championship League. Die Spieler haben viele Spiele gegen ähnlich gute Profis, Ali Carter hat sich dort im letzten Jahr seine WM-Form erspielt und hat jetzt die wohl beste Saison seiner bisherigen Profikarriere. Wir können uns nur wünschen, dass diese Veranstaltungen ausgebaut werden, auch im Sommer, wo eine relativ lange Sommerpause traditionell den Spielrhythmus unterbricht. Pro-Am-Turniere können das nur bedingt ausgleichen, geht es doch nur um Ruhm und Ehre und ein wenig Preisgeld, nicht aber um Weltranglistenpunkte.

Diesen kleinen Turnieren auch ein Budget von Weltranglistenpunkte zu geben (etwa 1000 für den Sieger) könnte ein Ansporn sein, gerade für die, die weiter hinten in der Rangliste platziert sind sich auch bei den Paul Hunter Classics Matchform zu holen. Es ist wichtig für das Snooker auch zu den Menschen zu kommen, es kann sich nicht nur alles auf der Insel und in China abspielen.

Was sich allerdings auf der Insel und in China abspielt ist wirklich gutes Snooker auf einem breiten, hohen Niveau. Die Aufgabe der WSA muss es jetzt sein mehr neue Zuschauer anzulocken.

Kommentare (Abonnieren)

Xristjan 23. Feb., 15.12 Uhr

schöner Artikel!

RonnieRulez 23. Feb., 19.06 Uhr

Kann nicht dein Ernst sein, Selby vs. Hamilton als tolles Match zu bezeichnen.
Das war das ödeste Spiel das ich jemals gesehen habe. Hast Du das überhaupt gesehen ?
Ziel des Spiels ist es – falls ich daran erinnern muss – Punkte zu machen, d.h. Kugeln zu lochen. Nicht zögerlich auf den vermeintlichen Fehler des Gegenübers zu warten. Erschreckend dass Selby – als Pool-Spieler – auf so ein Niveau absinken muss/kann.
War eigentlich immer ein Selby-Fan – aber das ging ja gar nicht.
Das Spiel war das beste Argument für den „sterbenden Sport“ (Quote !) und Regeländerungen (weniger Rote, Shotclock etc.).
Und was Fu vs. ROS angeht: Der war nicht besser, das hieße ja, dass er ihm die Centurys um die Ohren geknallt hätte. Er hat halt die Fehler konsequent ausgenutzt, die der genervte Ronnie ihm hingelegt hat.
Ging Ronnie nach dem 3-1 eben nicht schnell genug. Kennt man ja.

Matthias Mees 23. Feb., 20.05 Uhr

Ziel des Spiels ist nach wie vor, den Tisch abzuräumen — in welchem Zeitraum oder minimaler Breakhöhe das zu erfolgen hat steht meines Wissens nirgends, auch wenn ich persönlich es ebenfalls vorziehe, wenn das einigermaßen zügig und flüssig geschieht.

Im Übrigen war bei Selby-Hamilton ausdrücklich nicht von „gut“, sondern von „spannend“ die Rede.

Ansonsten ist ROS nicht zu verdenken, dass er in Newport auf ganzer Linie Müll gespielt hat — wozu anstrengen, wenn der Punktevorsprung in der Rangliste noch lange reicht und eigentlich ohnehin nur die WM zählt. Was stirbt, ist nicht so sehr der Sport per se — es ist seine eigene Motivation, ihn auszuüben. Kennt man ja auch.

RonnieRulez 23. Feb., 20.45 Uhr

Gut, dann kannst du ja mal gegen mich antreten. Da wir beide nichts treffen ists zwar nicht gut aber immerhin spannend – vielleicht hat BBC Interesse ?
Sorry, aber dieses Spiel war Snooker auf allerunterten Niveau – Not gegen Elend.
Nochmal: hast du das Spiel gesehen, oder stammt dein Wissen aus Herrn Kalbs Blog ?
Und zum Müll: ROS hat immerhin deine lebende Legende Davis ausgeschaltet, ich denke der spielt so ein tolles Jahr ? Und bis zum 3-1 hatte er Fu auch gut im Griff.
Aber wir können gerne nochmal drüber reden, wenn er abgetreten ist . Wetten, dass sich das auf den gesamten Snooker auswirken wird (Stichwort: Übertragungsdauer), wenn es keine Regeländerungen und/oder Spieler mit Charisma gibt ?

Ferdinand 23. Feb., 22.17 Uhr

Apropos „Wahrheit“ des Snookersports. Braucht es überhaupt eine resp. wer kennt sie? Und um prosaisch zu bleiben: Snooker lebt und wird auch allen Unkenrufen zum Trotz am Leben bleiben, wage ich zu behaupten. Auch wenn die Zuschauer nicht immer jeden Platz ausfüllen und vielleicht auch die Finanzen/Sponsoren großzügiger sein könnten – Snooker lebt einfach durch seine Faszination inklusive all seiner Spannung, seiner Unberechenbarkeit und zu allererst durch die Klasseleistungen der Spieler.
Es scheint tatsächlich so zu sein, dass derzeit jeder jeden schlagen kann – je nach Tagesform. Und trotzdem ist Ronnie O’Sullivan für mich ein Ausnahmetalent und schon einzigartig. Und dass er nicht so „dominierend“ sein soll wie Davis oder Hendry zu ihren besten Zeiten mag für die Summe der Titel richtig sein – so ganz scheint das aber doch nicht zu stimmen: Wie sonst könnten sein gutes oder mal nicht so gutes Spiel, seine Psyche, sein Verhalten oder was auch immer man mit ihm in Verbindung bringt doch sämtliche Diskussionen und Kommentare so beeinflussen? Heißt für mich: Snooker heute ist auch Ronnie O’Sullivan – auch wenn’s jetzt zu pathetisch klingen mag. Und betreffs Spiel bei den Welsh-Open gegen Fu, kann ich nur der obigen Meinung zustimmen: Ich fand Fu nicht besser, er hat Ronnies Fehler und dessen Ungeduld lediglich genutzt.
Für die Zukunft wünschte ich auch mehr Turniere, auch kleinere (mit Weltranglistenpunkten?) und – sehr richtig – nicht nur auf der Insel und in China. Aber wie die WSA davon überzeugen???

Eric Eggert 23. Feb., 23.19 Uhr

RonnieR:
Wir haben beide das Spiel gesehen und haben es sogar bis zum bitteren Ende durchgehalten. Und ja, es hatte Längen und mir gefallen in der Regel Centuries besser als Safetyschlachten.

Aber auch Snooker ist kein Wunschkonzert und auch du solltest zugeben können, dass beide wirklich gute Safeties gespielt haben. Auch das gehört für mich zu niveauvollem, hochwertigen Snooker. Die Häufung von taktischem Spiel in dem Match war natürlich auch übertrieben.

(Ich möchte die Diskussion aber an dieser Stelle mit dir nicht weiter fortsetzen, vielen Dank für deine Meinung.)

Ferdinand:
Das „dominierend“ war durchaus in sportlicher Hinsicht gemeint, und das drückt sich eben in der Anzahl der Titel aus. Das O’Sullivan im Moment das Aushängeschild ist, das ist genau das, worauf der Artikel hinaus will.

Matthias Mees 24. Feb., 00.15 Uhr

RonnieRulez: Du bellst den falschen Baum an. Wir sind uns völlig darüber einig, dass Selby-Hamilton kein schönes Snooker war. Mit ziemlicher Sicherheit wäre in der Tat eine Begegnung zwischen uns beiden zumindest unterhaltsamer. Und wir haben alle ein kleines Dankesgebet losgeschickt, als klar war, dass und kein Finale Selby-Fu blühen würde — das würde vermutlich heute noch laufen.

Es bezweifelt auch niemand, dass ROS das Zugpferd im Snooker heute ist — Eric wird gerne bestätigen, dass ich neulich erst per IM untereinander gesagt habe, Snooker brauche mehr Spieler wie ROS, eben wegen des Charismas, der Faszination die er ausübt. Aber allein Charisma und eine Führung Midsession reichen heute halt nicht mehr, nichtmal gegen Fu.

Berndt 24. Feb., 10.22 Uhr

Nun, dann darf ich mich mal als jemand outen, der sich das Spiel von Selby gegen Hamilton angesehen hat und sehr unterhaltsam fand. Snooker fasziniert nicht immer nur durch hohe breaks. Ich finde es im Gegenzug sogar eher langweilig, wenn nur century an century zu sehen ist. Wenn ich nur Bälle in den Taschen versinken sehen will, kann ich mir auch 9-Ball anschauen…

Butterfly 24. Feb., 10.28 Uhr

Noch ist Ronnie das Zugpferd des Snooker.
Aber seine Art zu Spielen fängt mich an zu langweilen.
Wenn er merkt das er verliert gibt er sich keine Mühe mehr.
Das ist das was den Snookersport zum sterben bringt.
Ronnie selbst sorgt mit dieser Art dafür das der Sport nicht mehr so attraktiv wird.Ich fand es unhöfflich das er sich schon die Weste aufgeknöpft hat, sicher er hat schon Snooker benötigt aber so zeigt er das er Lustlos ist.
Beim Masters hat er doch auch gekämpft warum also nicht hier ??
Und beim Masters gab es keine Ranglistenpunkte.
Dieses ständige auf und ab ist schon nervtötend.
Man weiß er kann es und der Herr hat einfach keinen Bock.
Dann soll er doch aufhören uns mit seiner Art zu langweilen.
So ein toller Spieler ist er schon lange nicht mehr.

RonnieRulez 24. Feb., 10.31 Uhr

@Matthias @ Eric
Ok, gut das wir drüber gesprochen haben ;-)

Xristjan 24. Feb., 12.06 Uhr

An der Stelle muss ich mich auch outen – Safety-Matches wie bei Selby vs Hamilton finde ich allemal spannender als z.B. ein Carter, der im Finale gegen den wehrlosen Swail 70er Breaks schießt…

RonnieRulez 24. Feb., 23.05 Uhr

@Butterfly.
Die Meinung hast du quasi exklusiv. Nur wenn er spielt, sind auch in der 1.Runde regelmäßig die Arenen knackig voll, nur dann gibts im TV gescheite Quoten. Und das liegt im übrigen auch am „auf und ab“ und an dem offensichtlichen „null Bock“ wenns nicht läuft.
Die Leute (also die anderen, nicht du) warten entweder auf Spektakel (Maximun etc.) oder aufs Ausrasten.
Das ist ja was ich meine: das bietet kein anderer.
Die niedrigste Zuschauerzahl im übrigen war – wer mag es bezweifeln – bei einem 1.Runden-Match von Graeme Dott im Grand-Prix 2004 (ich glaube gegen Dale). Weißt du wiewiel zahlende Zuschauer da waren ? Richtig – Null. Weil die beiden eben nicht viel bieten, schönes Mittelmaß und keine Sensationen.

Matthias Mees 24. Feb., 23.29 Uhr

Also wenn irgendjemand auf der Tour derzeit noch ein „Farbtupfer“ ist, dann doch wohl Dale. Die wasserstoffblonden Haare? „My Way“? (Ja, ich weiß — sein Spiel kann da nicht mithalten seit der Eintagsfliege Shanghai.)

Und Dotty-Baby ist doch abseits des Tisches auch immer sehr unterhaltsam … ;-)

Manuel Wellinski 24. Feb., 23.36 Uhr

ich sage es nochmal ronnie hätte das match gegen fu gewonnen, hätte endlich mal jemand das offensichtliche foul gesehen von ihm, wozu gibt es marker und das war genau das gleiche foul wie bei der ukc, immer bei ihm gegen ronnie gut damals war das nicht entscheidend aber hier schon, finde das nicht richtig, ronnie spielt immer noch weltklasse und ist wie in der exhibition zu sehen war immer in der lage ein maximum break aus dem ärmel zu schütteln.

Eric Eggert 25. Feb., 03.12 Uhr

Manuel: Jemand, der so Klasse spielt wie O’Sullivan, der wird sich doch auch von einer Fehlentscheidung nicht besiegen lassen. Außerdem hat es am Tisch wohl niemand gesehen, sonst hätte das doch einen großen Aufschrei bedeutet. In einem Best-of-9-Match gibt es ganz selten den einen Ball, der ein Match entscheidet, ein Fehler bedeutet einen verlorenen Frame, kein Match.

tekcor 25. Feb., 08.25 Uhr

Einige Anmerkungen:
Zu behaupten, das ROS nicht schlecht gegen Fu gespielt hat, ist mehr als eine Verkennung der zu beobachtenden Tatsache. Lies bitte die Aussage über die eigene Leistung von ROS auf der anschließenden PK. Sicherlich ist die Leistungsdichte ein nicht zu unterschätzendes Element im Snookersport, aber Zuschauerzuspruch und finanzielle Rahmenbedingungen gehören ebenso dazu. Sehr interessant dazu ein Beitrag von Bryn Palmer auf BBC-Snooker-Seite mit dem Titel „Snooker finds it’s X-factor“. Der Aussage von Dennis Taylor in einem Interview der Sendung Sport-Inside vom Dezember 2008 „Ronnie O’Sullivan ist der beste Snookerspieler aller Zeiten“ ist nichts hinzu zufügen. Ohne ROS wäre der Sport zwar nicht tot, aber der Zustand wäre schon sehr bedenklich.

Xristjan 25. Feb., 12.25 Uhr

Ich schließe mich den (meisten) Vorrednern an. Wir sollten hoffen, dass Ronnie noch ein paar Jahre Lust hat zu spielen. Außerdem muss man bedenken, dass auch fast alle andere (wichtigen) Snookerstars alt geworden sind. Wenn die in den nächsten Jahren aufhören bin ich mal gespannt.

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