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Snookerblog

Er kam, schwieg und siegte.

12 Kommentare

Ronnie O’Sullivan hat es geschafft, nach einem 0:2-Rückstand drehte er das Match und zeigte eine klasse Leistung. Letztlich gewann er 10:3.

Nach dem Spiel stellte er Ding Junhui ein großartiges Zeugnis aus: „Er wird ein mehrfacher Weltmeister sein.“ Heute war Dings Leistung jedoch alles andere als berauschend. In der zweiten Session brachte er nichts mehr zusammen, spielte teilweise sogar lustlos.

Ganz anders O’Sullivan, der davon sprach, dass er „ganz okay“ gespielt hätte und sich gerne noch besser am Tisch fühlen würde. Der Engländer und nun dreifache Masters-Champion spielte das beste Spiel des Turniers.

Im ersten Frame nach der Pause schaffte O’Sullivan ein Break von 96 Punkten. Doch Ding schlug zurück: Nach einem Break von 65 Zählern verschoß Ding den Frameball. Von 67 möglichen Punkten erspielte O’Sullivan sich 66 und gewann den Frame kapp möglichst.

Doch dann ein glanzlicht O’Sullivans: 143 Punkte in Folge. Im nächsten Frame dann ausnahmsweise kein Geld für das Paul-Hunter-Stipendium, O’Sullivan spielte zwei Breaks mit gerade mal 48 und 49 Zählern.

Dann ein kuriosum: Beim Stand von 9:3 steht Ding Junhui auf und will O’Sullivan bereits zum Sieg gratulieren – Dabei stand noch ein Mid-Session-Interval an. O’Sullivan nahm Ding dann in den Arm und führte ihn aus der Arena.

Nach dem Interval gewann O’Sullivan mit zwei Breakes (67 und 40 Punkte). Der Frame wurde durch Zwischenrufe aus dem Publikum gestört, die die tolle Atmosphäre ein wenig zerstörten. O’Sullivan winkte nur ab und spielte noch unbeeindruckt weiter.

Nach meiner Zählung gab es runde 110 Breaks von mehr als 50 Zählern, allein dreizehn im Finale. Dies bedeutet 5500 Pfund (etwa 8.370 Euro) für das Paul-Hunter-Stipendium.

Kommentare (Abonnieren)

marco 22. Jan., 14.13 Uhr

Die Atmosphäre ein wenig zerstört ist echt gut. Ich saß vor dem Fernseher und hab gekocht vor Wut. Von dem sonst doch sehr sportlichen Snookerpublikum hab ich ein bischen was anderes erwartet. Für Snookerverhältnisse hätte man gestern eigentlich fast von einem Eklat sprechen können. Jan Verhaas und Ronnie O’Sullivan haben ja überhaupt nicht mehr geschafft die Randalierer, ich denke den Begriff kann man hier ruhig verwenden, zur Ruhe zu bekommen. Soweit ich mich bisher informiert habe gab es außerdem für Ding aus den Reihen hinter ihm auch ständig Zurufe, die bestimmt nicht wohlwollend gemeint waren und über deren Inhalte man hier nur mutmaßen kann. Das wirft alles ein ziemlich seltsames Licht auf dieses Finale, welches so toll angefangen hat.

Ronnie kauf ich auf jeden Fall ab, dass er Ding Junhui unterstützen und aufbauen wollte. Allerdings frag ich mich ob der Schuß nicht eventuell nach hinten losgegangen ist. Zumindest die Aktionen im letzten Frame, wie die Weisse am Pulk der Roten vorbeizuschießen oder Beifall zu spenden, wenn Junhui eine passable aber keineswegs überragende Safety spielt oder auch mit Jan Verhaas zu diskutieren, welche Rote man direkt anspielen könne, obwohl das selbst für mich offensichtlich war, fand ich nicht so gelungen von Ronnie. Wie gesagt, es war sicherlich gut gemeint, ich empfand es allerdings als eher erniedrigend und deshalb kontraproduktiv.

Steve Davis war beim abschließenden Interview glaub ich auch total genervt, gelinde gesagt, von dem was da am Ende vor sich gegangen ist (seitens des Publikums). Zumindest hat er bei weitem nicht den lockeren Eindruck gemacht wie nach dem Finale Robertson-Cope.

Johannes 22. Jan., 16.12 Uhr

Ich fand den letzten Frame aus den gleichen Gründen fragwürdig. Aber es ist nur allzu verständlich. Ähnliches kennt man beispielsweise vom Tennis… der Gegner ist etwas beeinträchtigt, leichte Zerrung oder sonst was… da passiert es schonmal dass der “gesunde” Spieler auch schwächer wird, weil sich ein (unberechtigtes) schlechtes Gewissen einschleicht, wenn man “voll durchzieht”...
Man weiß, dass es der Gegner besser kann und hat dann ein schlechtes Gewissen, wenn man die “von außen” herbeigeführte Schwäche ausnutzt.

Wed13 22. Jan., 20.00 Uhr

Sowas hab ich im Snooker noch nie gesehen. Und ich dachte auch nie das ich das mal sehen werde. Gibt es jetzt schon seit neustem Snooker Hooligans???
Aber trotzdem darf man dabei die leistung von Ronnie nicht vergessen.

Miriam 22. Jan., 20.31 Uhr

Also erstmal: Daumen hoch für Ronnie! Das war echt eine starke Leistung gestern Abend.
Ding tat mir ziemlich Leid und ich fand es gut von Ronnie, dass er ihn stärken wollte. Auch wenn er das nicht geschafft hat, ich fand es großartig. Ich hoffe, dass Ding nicht allzu lange über das Finale nachdenkt und sich die Anmerkungen des Publikums nicht so sehr zu Herzen nimmt. Er ist ein ganz besonderer Snookerspieler und das müsste er ja eigentlich auch wissen… Was die Leute, die ihn gestern so gestört haben, sagen, sollte er einfach ignorieren, auch wenn es ihm schwer fällt…
Hoffentlich zeigt er beim Malta Cup wieder seine alte Form!
Und ich hoffe auch, dass Ronnie in einer ähnlich guten Verfassung ist, wie bei diesem Turnier.

Eric 22. Jan., 21.17 Uhr

Ich finde es ist nicht schlimm, wenn das Publikum euphorisiert ist und richtig mitgeht. Wie man sieht stachelt das Spieler erst zu Höchstleistungen an.

Was dann im letzten Frame abging war natürlich irregulär und unfair. Das geht natürlich nicht.

Xristjan 22. Jan., 23.46 Uhr

hallo,
ich finde gestern sah man (endlich) wieder warum Ronnie der Snookergott ist…bei der UK Championship noch launisch und labil, diesmal makellos und menschlich groß. Leider wird er wohl – wie immer – auf Malta schwächeln, das Tzrnier liegt ihm ja ueberhaupt nicht (er verlässt wohl ungern die Insel ^^)
Ding, das stoische Wunderkind, bewies, dass er auch nur ein Mensch ist. Trotzdem muss man Ronnies Worten zustimmen, Ding ist/wird ein großer Champion werden – im Grunde ist er das ja schon.
Die Tumulte waren schon ein wenig too much, aber mal ehrlich, beim Masters ist es immer am lautesten.

marco 23. Jan., 10.01 Uhr

ACH SO!!! Na dann ist ja alles in bester Ordnung!
Mal ehrlich, was soll denn das für eine Rechtfertigung sein . . und was hat diese mit Ehrlichkeit zu tun? Wenn ich mitbekomme dass bei einem Fussballspiel in Berlin ein schwarzer Spieler von den gegnerischen Fans mit Bananen beworfen und mit Affenlauten verarscht wird empört mich das auch obwohl ich weiß dass sowas im Fußball immer mal vorkommt. Genauso ist es hier. Klar hat Ronnie ein ganz klasse und sehenswertes Spiel gespielt und auch Ding hat richtig hochklassig angefangen. Generell war gerade die erste Session einfach toll. Dennoch bin ich nicht bereit deshalb einfach auszublenden was in der zweiten Session vor sich gegangen ist. Abgesehen davon dass man wahrscheinlich noch länger Spitzenklassesnooker hätte sehen können wenn sich das Publikum anders verhalten hätte, finde ich es nicht richtig die Beschimpfungen (an anderer Stelle habe ich schon mal was dazu geschrieben) marginalisieren zu wollen. Man darf getrost davon ausgehen dass das Verhalten des Publikums sich zu einem mindestens genauso großen Teil auf die Eindeutigkeit des Ergebnisses ausgewirkt hat wie die absolut hervorragende Leistung O’Sullivans. Ein wenig too much scheint mir als Urteil auf jeden Fall ein wenig too less. Absolut intolerabel und verurteilenswert trifft es da meiner Meinung nach eher.
Ich kann ja verstehen, dass die meisten Leute sich dieses Finale besser in Erinnerung behalten wollen als es war, schließlich hat Ronnie die meisten Fans und hat endlich mal wieder gezeigt was in ihm steckt, dennoch sollte man doch Lehren aus dem Geschehenen ziehen. Es muß doch Mittel und Wege geben die beschriebenen Vorgänge zumindest in besonderer Ausprägung zu unterbinden. Auf jeden Fall sollte man Vorgänge dieser Art nicht einfach kleinreden um sich das schöne Bild vom perfekten Fairness- und Gentlemansport Snooker zu bewahren, weil sie schlicht und einfach nicht klein und unbedeutend sind.
Ich könnte mir übrigens vorstellen das es Ronnie selbst durchaus ähnlich sieht. Wie der strahlende Sieger hat er bei der Preisübergabe und bei seinem Interview wirklich auch nicht ausgesehen. Das erste mal das ich ihn lächelnd mit dem Pokal gesehen habe war auf dem Bild zu diesem Beitrag.

marco 23. Jan., 11.45 Uhr

Ich bins nochmal (jetzt etwas weniger emotional).

@ Johannes:
Interessante These . . und klingt auch plausibel. Wieso bringst du eigentlich Tennis als Beispiel, kommt das da so oft vor?

@ Eric Eggert (Eric?):
Vielleicht bin ich ja ein bißchen doof, aber die Überschrift zu diesem Artikel begreif ich bis jetzt noch nicht so richtig. Der Bezug zu Cäsar ist klar, aber der Bezug zu Ronnie geht mir gerade etwas ab. Wieso hat er geschwiegen? Kapier ich nicht.

@ Miriam & Wed13:
Möcht ich so unterschreiben.

Schließlich ist ein Blog zum kommunizieren da, nicht wahr? :)

Eric 23. Jan., 15.33 Uhr

@Marco: Der Presse gegenüber hat er geschwiegen.

Johannes 24. Jan., 11.26 Uhr

@Marco:
Weiß nicht obs oft vorkommt, aber Mannschaftssport kann man ja schonmal nicht als Beispiel bringen, da wird einfach ausgewechselt…
Und im Tennis hab ich es halt schon ein paar Mal gesehen, dass leicht verletzte Spieler auf die Zähne beißen…

marco 24. Jan., 15.44 Uhr

@ Eric:
AAAAAAH, Mann! Hab jetzt halt total aufm Schlauch gestanden. Danke!

@ Johannes:
Ich schau eigentlich nie Tennis deswegen frag ich. Beim Snooker hab ich das besagte Phänomen allerdings auch schon ein, zwei mal gesehen, nur eben noch nicht aus diesem Blickwinkel betrachtet.

Vivi 26. Jan., 20.47 Uhr

Mmh… ich glaube die Jungs im Publikum haben echt überreagiert. Ich glaube O`Sullivan war das ganze ziemlich unangenehm – man kann ja schließlich davon ausgehen, dass es seine Fans waren, die da so rumgepöpelt haben.
Ich fand es aber entzückend, wie O`Sullivan versucht hat Ding aufzubauen. das war doch Sportlichkeit pur!
Liebe Grüße!
Vivi…

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